Über Kommunikation

Die Wirkung des 1. Wortes: Was passiert, wenn Ihre Antwort immer mit „Ja“ beginnt?

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Halten Sie kurz inne. Stellen Sie sich vor, wie es ist, wenn Ihr Gegenüber jedes Mal mit „Nein!“ reagiert auf alles, was Sie sagen. Und jetzt stellen Sie sich das Gegenteil vor: Jede Antwort beginnt mit „Ja!“. Spüren Sie den Unterschied?
Ich schlage Ihnen ein kleines Experiment vor: Versuchen Sie 1 Tag lang (besser 2 oder 3) jede Ihrer Antworten mit „Ja“ zu beginnen.
Natürlich, wenn Ihnen jemand bspw. ein Getränk anbietet, das Sie nicht mögen, ist Ihre natürliche Reaktion „Nein, danke“. Doch selbst hier geht es auch anders: „Ja, gute Idee! Du nimmst Wodka, ich schenk’ mir ein Bier ein“ (… oder einen Sekt. Oder Tee). Also, extreme Situationen wie Aufforderungen zu illegalen Handlungen o.ä. klammern wir aus unserem Experiment aus.

Warum verändert ein einziges Wort so viel?

Erinnern wir uns zunächst daran, dass jedes Gespräch gleichzeitig auf 3 Ebenen stattfindet:
  • Die sachliche Ebene – worüber wir sprechen. Hier signalisiert „Ja“ Zustimmung – vielleicht nicht in jedem Detail, aber in der grundsätzlichen Richtung.
  • Die Beziehungsebene – wie wir miteinander umgehen. „Ja“ zeigt, dass Sie auf einer Wellenlänge mit Ihrem Gegenüber sind, wodurch sich die Distanz zwischen Ihnen verringert.
  • Die emotionale Ebene – was wir während des Gesprächs fühlen. „Ja“ löst Wärme, Erleichterung oder Vertrauen aus. Und das wiederum bringt Menschen einander näher und schafft den Boden für echten Dialog.
Mehr über die Kommunikationsebenen erfahren Sie hier: Ebenen der Kommunikation: Wie kommuniziert man effektiv? Als nächstes sehen wir uns an, welche Auswirkungen „Ja“ auf ein Gespräch hat.

„Ja“ bedeutet nicht automatisch Zustimmung!

Konstruktiver Kommunikation liegt ein grundlegendes Prinzip zugrunde, das sich in 5 Schritten entfaltet: Wahrnehmen – Akzeptieren – Verstehen – Schlussfolgern – Handeln (gemäß der Schlussfolgerung).
  • Wahrnehmen: Wir hören zu – im Idealfall bis zum Ende, ohne zu unterbrechen.
  • Akzeptieren: Wir nehmen hin, dass unser Gesprächspartner eine andere Meinung oder einen anderen Geschmack haben kann.
  • Verstehen: Wir versuchen, ihn so zu verstehen, wie er verstanden sein möchte – ohne seine Worte und ihren Sinn durch eigene Annahmen oder Interpretationen zu verzerren.
Mehr über das Grundprinzip konstruktiver Kommunikation erfahren Sie hier: Durch konstruktiven Dialog leicht Beziehungen aufbauen.
Mit „Ja“ zu beginnen, deckt die ersten 2 Schritte automatisch ab. Es sendet das Signal: „Ich habe Dir zugehört. Und ich akzeptiere, dass Du eine andere Meinung hast.“ Das allein hat enormen Wert – insbesondere, da es scheinbar so schwer ist, einander einfach zuzuhören und gelassen damit umzugehen, dass Menschen unterschiedlicher Meinung sind. Dabei bedeutet „Ja“ keineswegs, dass Sie automatisch mit allem einverstanden sind, was Sie gerade gehört haben.
Beispiel: In einer Besprechung werden Ideen diskutiert, wie die Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen verbessert werden kann. A colleague responds to your suggestion: "That doesn't quite hit the mark!"

Ihre Reaktion: „Ja, okay. Was genau trifft es nicht? Und mit welchen Aspekten bist Du grundsätzlich einverstanden?“
Das Gespräch kann konstruktiv weitergehen. Eine Brücke wurde gebaut.

Fazit

„Ja“ verbindet. „Nein“ schafft Distanz – oder treibt sogar einen Keil zwischen Menschen. Probieren Sie es aus und beobachten Sie, was sich in Ihren Gesprächen verändert.