Über Verhalten

Warum wir immer wieder in dieselbe Falle tappen und dieselben Fehler wiederholen

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Otto von Bismarck wird der Ausspruch zugeschrieben: „Nur ein Idiot lernt aus seinen eigenen Fehlern. Ich ziehe es vor, aus den Fehlern anderer zu lernen.” Scharfsinnig, nicht wahr!
Nun, was soll man dann sagen über jemanden, der weder aus den Fehlern anderer noch aus seinen eigenen lernt – und immer wieder in dieselbe Falle tappt?

Warum wir unsere eigenen Fallen oder Fehler nicht sehen

Es liegt kaum an Sturheit oder mangelnder Intelligenz. Oft bemerkt ein Mensch an sich selbst einfach nicht, was für andere offensichtlich ist. Das wird bezeichnet als „blinder Fleck“: wenn wir eigene Verhaltensmuster nicht wahrnehmen, die wir bei anderen jedoch sehr schnell sehen. Mehr zu diesem Phänomen erfahren Sie im Artikel Blinde Flecken: Wie kann man sich selbst besser kennenlernen?
Verhaltensmuster sind mehr als bloße Gewohnheiten. Es sind tief verwurzelte Verbindungen aus Überzeugungen, Gedanken, emotionalen Bewertungen und Handlungen, die in bestimmten Situationen automatisch anspringen. Genau darum verstehen Menschen eben nicht, warum sie wiederholt in derselben eigentümlichen Situation landen.
Das Bewusstsein für blinde Flecke kommt meist auf einem von 2 Wegen: Entweder werden die unangenehmen Konsequenzen einer wiederkehrenden Situation unerträglich oder jemand sagt einem direkt ins Gesicht: „Warum tappst Du eigentlich immer wieder in dieselbe Falle?“ bzw. „Warum machst Du immer wieder denselben Fehler?“

Wie Menschen auf solch ein Feedback reagieren

Wenn uns jemand von der Seite auf einen wiederkehrenden Fehler hinweist, fallen die Reaktionen unterschiedlich aus:
  • Wir sind beleidigt wegen der „ungerechtfertigten“ Kritik – und tappen danach wieder in dieselbe Falle.
  • Wir ignorieren den Hinweis einfach – besonders dann, wenn wir nicht danach gefragt haben.
  • Wir gestehen uns ehrlich ein: Ja, es gibt Situationen, die sich wiederholen und die uns (und anderen) die Freude nehmen oder Frust bereiten.
  • Wir fragen nach, was genau gemeint ist, und was man uns rät, anders zu machen.
Die ersten beiden Wege führen nirgendwohin. Der dritte und vierte sind der Anfang von echter Selbstreflektion.

Warum sich Menschen trotzdem nicht ändern

Das ist vielleicht die interessanteste Frage. Bisweilen erkennt jemand ein wiederkehrendes Muster in seinem Verhalten, mit all den Konsequenzen, ist kaum erfreut darüber – und unternimmt dennoch nichts. Die Gründe lassen sich in 2 Gruppen einteilen:
  • Der Mensch sieht das Ganze nicht als Problem an: Er hat sich daran gewöhnt, schaut weg, redet es sich schön oder hat entschieden: „So bin ich eben.“
  • Der Mensch sieht das Problem, ändert aber nichts: Er weiß nicht, was genau er ändern soll. Oder er weiß zwar, WAS, aber nicht, WIE! Oder er hat Angst, dass eine Veränderung alles nur noch schlimmer macht. Oder aber er befürchtet, sich nach einer Veränderung in einer unbekannten Situation wiederzufinden – mit unbekannten Fallen.
Bei all diesen Varianten hilft ein ehrliches Feedback von jemandem, dem man vertraut. Weitere Informationen darüber, wie man Feedback richtig einholt und gibt, finden Sie im Artikel Feedback: Warum ist es wichtig, es zu geben und zu erfragen?

Wenn Sie selbst wiederholt in dieselbe Falle tappen

Bitten Sie jemanden um ein Gespräch, mit dem Sie wirklich offen reden können. Fangen Sie z.B. so an:
„Ich brauche Deinen Rat. Ich glaube, ich mache immer wieder denselben Fehler. Konkret geht es um Folgendes…“
Beschreiben Sie dann kurz die Situation. Und fragen Sie danach direkt:
„Hast Du das auch bemerkt? Und wenn ja, was rätst Du mir, anders zu machen?“
Das erfordert Mut. Aber genau ein solches Gespräch gibt Ihnen das, was kaum eine noch so intensive Selbstreflektion leisten kann.

Wenn Sie bei jemand anderem bemerken, dass er wiederholt in dieselbe Falle tappt

Fallen Sie nicht mit der Tür ins Haus! Erkunden Sie zuerst die Bereitschaft zuzuhören:
„An Deinem Verhalten in einer bestimmten Situation habe ich schon einige Male etwas bemerkt.“
Beschreiben Sie kurz die Situation. Und dann: „Mir scheint das wichtig. Bist Du bereit, mir zuzuhören?“
Wenn die Antwort „Nein” ist, haken Sie kurz nach: „Nein, prinzipiell nicht? Oder einfach nur nicht jetzt?“
Wenn es lediglich nicht der richtige Moment ist, bitten Sie den Menschen, sich zu melden, wenn er bereit ist für Ihr Feedback.
Falls er jedoch prinzipiell nicht bereit ist, akzeptieren Sie das! Druck funktioniert hier nicht. Wenn der Mensch bereit ist zuzuhören, nutzen Sie das SVWA-Modell: Situation – Verhalten – Wirkung – Absicht. Dieses Modell hilft Ihnen, Ihre Beobachtung mitzuteilen, ohne dabei Ihrem Gegenüber irgendwelche Motive zuzuschreiben oder sein Verhalten zu bewerten.

Fazit

Ein „Fehler“ oder eine „Falle“ ist kein Verdikt. Es ist ein Signal: Irgendetwas in einem gewohnten Verhaltensmuster hat nicht den gewünschten Effekt! Und dieses Signal kann ein Mensch früh wahrnehmen und darauf reagieren – wenn er offen ist für Feedback und ehrlich mit sich selbst.
Aus den Erfahrungen oder Fehlern anderer zu lernen, ist klug. Das klappt, wenn jemand bereit ist, Neues bzw. Anderes zu sehen und als „gangbar“ zu akzeptieren. Und wenn er/sie daraus die Lehren für das eigene Verhalten bewusst formuliert.
Aus den eigenen Erfahrungen zu lernen, ist natürlich. Das sollte man möglichst schnell tun, nachdem z.B. ein „Fehler“ unterlaufen ist. Andernfalls zieht sich der Lernprozess hin, und die Lektionen können schmerzhaft oder teuer werden.
Dasselbe „unerfolgreiche“ Verhalten jedoch immer wieder zu zeigen, ohne irgendwelche Schlüsse zu ziehen – das ist eine Entscheidung, ob bewusst getroffen oder nicht.
Wie man sein Verhalten Schritt für Schritt ändert, erfahren Sie im Artikel Wie wir uns entwickeln, wenn wir unser Verhalten ändern.