Über Kommunikation

Die Nein-Falle: Ist Ihre 1. Antwort meistens „Nein“?

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Haben Sie sich schon mal gefragt, wie oft Ihre Reaktion auf das, was jemand sagt, mit „Nein“ beginnt?
Drehen Sie nun den Spieß um und stellen sich vor, wie es sich anfühlt, wenn als Antwort auf Ihre Aussagen immer gleich ein „Nein!“ kommt. Und jetzt stellen Sie sich vor, Sie hören stattdessen als erste Antwort ein „Ja!“. Spüren Sie, wie sich innerlich etwas verändert?
Ich schlage Ihnen ein kleines Experiment vor: Schätzen Sie zunächst grob, wie oft Sie Ihre Antwort mit „Nein“ beginnen. Dann zählen Sie über 2-3 Tage, wie oft das tatsächlich passiert. Das Ergebnis könnte Sie überraschen. Anmerkung:
Extreme Situationen und Aufforderungen, die gesetzeswidrig sind, lassen Sie bei dem Experiment außen vor. Es geht um alltägliche Situationen und Gespräche – auf Arbeit, zu Hause, im Alltag.

Wie „Nein“ ein Gespräch zum Entgleisen bringt

Erinnern Sie sich an die 3 Kommunikationsebenen und schauen sich an, was ein „Nein“ auf ihnen bewirkt. In dem Artikel Ebenen der Kommunikation: Wie kommuniziert man effektiv? habe ich näher auf jede Einzelne davon eingegangen.
  • Sachliche Ebene. Selbst wenn Sie nur in einem einzigen Detail anderer Meinung sind – „Nein“ klingt wie eine vollständige Ablehnung. Ihr Gegenüber hört bzw. interpretiert: „Alles, was Du gesagt hast, ist falsch.“
  • Beziehungsebene. Sie und Ihr Gesprächspartner landen sofort auf verschiedenen Seiten. Die Distanz wächst, möglicherweise noch bevor Sie überhaupt zum Kern der Sache vorgedrungen sind.
  • Emotionale Ebene. Ein „Nein“ löst mit einiger Wahrscheinlichkeit negative Reaktionen aus: Enttäuschung, Verletzung, Gereiztheit. Danach hört ein Mensch oft nicht mehr wirklich zu – er verteidigt sich oder greift an oder macht einfach dicht.

Was ein einziges Wort auslöst

Erinnern Sie sich an das Grundlegende Prinzip konstruktiver Kommunikation: Wahrnehmen – Akzeptieren – Verstehen – Schlussfolgern – Handeln (gemäß der Schlussfolgerung). Weitere Informationen zu diesem Grundprinzip finden Sie im Artikel: Durch konstruktiven Dialog leicht Beziehungen aufbauen.
„Nein“ kann alle 5 Schritte auf einmal zunichte machen. Für Ihren Gesprächspartner bedeutet das: „Ich werde nicht gehört. Meine Meinung zählt nicht. Man versteht mich nicht – und will mich auch nicht verstehen…“! Danach ist es erheblich schwerer, das Ziel eines jeden Gesprächs zu erreichen: mindestens – gegenseitiges Verständnis, im besten Fall – eine gemeinsame Lösung.
Beispiel: Eine Gruppe von Kollegen sammelt Ideen zur Verbesserung der abteilungsübergreifenden Zusammenarbeit. Sie machen einen Vorschlag ein – und ein Kollege fährt Ihnen sofort in die Parade: „Nein! Völlig daneben.“ Was fühlen Sie in diesem Moment? Haben Sie den Wunsch, weiterzumachen, diesem Kollegen offen und interessiert zuzuhören?
Wohl kaum.

Fazit

„Nein“ ist wie eine Mauer. Es schafft Distanz, verschließt und trennt – oft ohne jede böse Absicht, einfach aus Gewohnheit. „Ja“ hingegen bringt Menschen näher – manchmal verbindet es sogar. Beobachten Sie sich selbst ein paar Tage lang. Manchmal reicht es schon, etwas nur zu bemerken – und schon beginnt sich etwas zu verändern.